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Mut für die Zukunft! (30.11.2021)

Wie machen wir Niedernhausen klimaneutral und unabhängig?

Wir alle sind Menschen einer modernen Zeit. In einer geheizten Wohnung zu sitzen, Auto zu fahren und je nach den finanziellen Möglichkeiten zu essen, zu trinken und in den Urlaub zu fahren, ist eine Selbstverständlichkeit. Die sogenannte „Boomer-Generation“, die in den Nachkriegsjahren geboren wurde, hat nie etwas anderes erlebt: Es ging immer nur aufwärts! Unser Lebensstandard, hart erarbeitet ohne Zweifel, galt für die Mehrheit der Gesellschaft, gerade der Älteren, als gesichert.

Allerdings bringen nicht nur eine neue ansteckende Krankheit oder Notwendigkeit der Digitalisierung der Arbeitswelt sondern auch die Klimakrise diese Sicherheit gehörig durcheinander.

Ängste und Unsicherheit machen sich in unserem Leben breit. Wut und Hass, auch geschürt in den sozialen Medien, gefährden unser Zusammenleben und letztlich eine friedliche Zukunft.

Große gesellschaftliche Veränderungen wurden in den Zivilisationen der vergangenen Jahrhunderte ausschließlich kriegerisch herbeigeführt.

Diese fatale Logik, auf die heutige Zeit übertragen und gepaart mit dem Nichtstun gegen die Klimakrise, könnte das Ende einer Welt, wie wir sie kennen, beinhalten. Dagegen sollten wir uns mit aller Kraft stemmen! Und mit etwas Mühe und Toleranz wird es gelingen! Wir haben die Verantwortung für alle kommenden Generationen.

Leider ist die Fülle der zukünftigen Herausforderungen bislang wenig fassbar! Wer weiß schon, was der Transformationsprozess einer großen Volkswirtschaft für Risiken für Arbeitsplätze und für die finanzielle Sicherheit  bietet? Wer weiß schon, wann wir diese  Corona-Pandemie endlich in den Griff bekommen? Oder welche Herausforderungen die Klimakrise birgt?

Doch darum geht es, wenn man die Zukunft anpacken will: Nicht angsterfüllt und stumm auf die Fragen blicken, sondern mutig anfangen:

2016 haben 319 Gemeinden, Städte und Landkreise eine Charta unterschrieben. Unter dem Namen „Hessen aktiv! Die Klima-Kommunen“ verpflichten sie sich Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen und Klimaanpassungsmaßnahmen vorzunehmen.Im „Aktionsplan der Gemeinde Niedernhausen“ finden sich alle notwendigen Zahlen und beschreiben die Hausaufgaben für alle Bürger*innen und Kommunalpolitiker*innen.

Wie wird Niedernhausen klimaneutral!?

„Der beschriebene Energieverbrauch weist 2 besonders große Brocken aus: Haushalte und Verkehr. Der Gesamtenergieverbrauch 2018 in der Gemeinde Niedernhausen belief sich auf ca. 403 Gigawattstunden (GWh) = 403.000.000 kWh)

Der mit Abstand höchste Energieverbrauch geht auf den Verkehrssektor zurück . Dies begründet sich v.a. darin, dass der Abschnitt der A3 einbezogen ist, der über Niedernhausener Gemeindegebiet läuft.

An zweiter Stelle folgen die Haushalte. Die Sektoren Industrie sowie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sind in Niedernhausen vergleichsweise unterrepräsentiert.“ So schreibt die Gemeinde in der unterzeichneten Charta.

Wie oben beschrieben sind dies die Zahlen von 2016! Nicht umgesetzt sind dabei eine höhere Elektromobilität und viele andere Steigerungsmöglichkeiten durch ein geändertes Nutzungsverhalten der Bürger*innen. Da man den Verkehrssektor im Moment nicht seriös benennen kann, bleibt der Verbrauch der Haushalte mit einer Größenordnung von ca. 120 GWh/Jahr als erste wichtige Größenordnung die man beleuchten sollte.

In 2016 hat die Gemeinde Niedernhausen verschiedene Maßnahmen aufgelistet, wie sie diesen enormen Energiehunger alleine im Bereich der Haushalte stillen will, den größte Erzeuger von regenerativen Energien wird mit 5 GWh/Jahr der Solarpark in Niederseelbach darstellen. Nicht abgedeckt durch nicht fossile Energien  sind derzeit ca. 113 GWh/Jahr.

Somit ist es logisch, dass die Gemeinde Niedernhausen auf den Solarpark als eine größere Quelle der Energieerzeugung setzen muss. Und dass dieser Solarpark auch nicht der letzte in Niedernhausen sein wird.

Aber es muss noch viel mehr geschehen, um unseren Energiehunger im Haushaltsbereich zu decken. Der Solarpark ist lediglich der „Tropfen auf einen heißen Stein“.

Der Verein „ErnES“, erneuerbare Energie-Szenarien e.V. (www.ernes.de) hat in einer Simulation ebenfalls einen zukünftigen  Energiebedarf von Niedernhausen, unter der Annahme einer vollständigen Energiewende,  in einer Größenordnung von insgesamt ca. 124 GWh/Jahr pro Jahr errechnet. Außerdem wurde sich die Mühe gemacht, in mehreren Vergleichsrechnungen die Lösung des Problems zu beschreiben:

Mögliche Szenarien sind:

Szenario 1:

Wind                         45 GWh/Jahr           =        ca.  6 Windkraftanlagen

Dach-Photovoltaik    64 GWh/Jahr           =        ca. 71 MWp (7.000 Anlagen à 10 kWp)

Freiflächen Photov.  15 GWh/Jahr           =        ca. 17 MWp ca. 25 ha.

 

Szenario 2:

Oder ein Szenario, ohne Windkraft (zur Zeit  Beschlusslage GV Niedernhausen)

Wind                          0 GWh/Jahr

Dach-Photovoltaik    64 GWh/Jahr           =        Belastungsgrenze erreicht!

Freiflächen Photov.  60 GWh/Jahr           =        ca. 67 MWp (ca. 100 ha!)

 

Was bedeutet das?

Notwendig wird ein Energie-Mix sein, der alle Möglichkeiten der lokalen Energieerzeugung nutzt. Der Verzicht auf die effektivste Form der Energiegewinnung, der Windkraft, war ein Fehler, der revidiert werden muss. Es ist notwendig, in einem überschaubaren Zeitraum Flächen zu finden, die in der Bevölkerung Akzeptanz finden.

Auf allen privaten Dachflächen sollten Photovoltaik-Anlagen gesetzt werden. Die Gemeinde hat eine Verpflichtung, für diese Maßnahmen zu werben. Neben den Investitionskosten für Anlage und Speicherkapazität amortisiert sich eine solche Anlage in einem überschaubaren Zeitraum. Auch ohne Subventionen kostet hier die erneuerbare  Kilowattstunde Strom lediglich etwa 10 Cent, im Vergleich von zur Zeit ca. 30 Cent von den Energieversorgern. Zukünftige Strompreisschwankungen werden für die Nutzer*innen uninteressant.

Die Gemeinde Niedernhausen sollte schnell einen mit Experten besetzten Energiebeirat ins Leben rufen, der neben einer Beratung der gemeindlichen Gremien  nicht nur Werbung für die angedachten Maßnahmen macht, sondern auch Hilfestellung für die betroffenen Hausbesitzer organisiert. Auch das Dickicht der Fördermaßnahmen bedarf der Transparenz.

Das Positive zum Schluß:

Die Energiewende ist machbar, mit Fördermaßnahmen, Informationen und einem guten Willen der Beteiligten! Die notwendige Technologie ist vorhanden, sie muss nicht erfunden werden.

Man muss endlich beginnen. Die Zeit ist reif.

Evelin Schönhut-Keil, Vorsitzende Ortsverband Bündnis 90/ DIE GRÜNEN, Niedernhausen